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Altenpflegeheim

Kleegasse - Wurzen

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In Wurzener Pflegeheim fallen die Würfel (23.02.2019)

Neuntklässler der Lossataler Oberschule in Falkenhain treffen bei einem Spielnachmittag auf Senioren im Wurzener Pflegeheim Kleegasse. Hier fallen die Würfel für die Zukunft – ist für die Kids ein Beruf in der Pflege eine Option?



Anthony und Robert (v.l.) haben sichtlich Spaß am Brettspiel mit den älteren Damen im Pflegeheim Kleegasse. Quelle: Frank Schmidt

Wurzen/Lossatal.

Acht Neuntklässler der Lossataler Oberschule in Falkenhain haben sich im Wurzener Seniorenheim Kleegasse mit dortigen Bewohnern zu einem Spielenachmittag getroffen. Damit wird ein Schulprojekt fortgesetzt, das nicht zum ersten Mal jugendliche Lossataler in diese Senioreneinrichtung führt. So wurde schon mit den Bewohnern gemeinsam gekocht und gebacken, auch gebastelt und Theater gespielt. Mit dem Spielenachmittag, der mit einer gemütlichen Kaffeerunde begann, sollen die inzwischen engen Kontakte weiter gepflegt und ausgebaut werden.

Schüler schnuppern ohne Berührungsängste in Pflegeberufe rein

"Die Schüler sind hier, weil sie sich für soziale Berufe interessieren. Und in diesem Zusammenhang haben einige auch schon ein Praktikum in dieser und anderen Einrichtungen absolviert", erklärte Marion Böhme, Lehrerin für Deutsch und Ethik. Berührungsängste zwischen den Generationen würde es nicht geben, versicherte die Pädagogin. "Die meisten Kinder habe ja noch Großeltern und sind den Umgang mit Senioren gewohnt. Und so manch einer der jungen Menschen verfügt über das sprichwörtliche Helfersyndrom. Ob sich daraus später tatsächlich eine berufliche Weiterentwicklung ergibt, das muss man sehen", sagte Böhme.



Im Seniorenheim Kleegasse Wurzen treffen sich junge und alte Menschen zum generationsübergreifenden Spielenachmittag. Quelle: Frank Schmidt

Für Reneé Mercedes Ziegler habe das Elternhaus eine Vorbildrolle. "Meine Mutti arbeitet im Pflegeberuf und bei ihr konnte ich schon ein Praktikum machen. Das hat mir gefallen, weil ich eben auch gerne mit Menschen arbeiten möchte", sagte die 15-Jährige. Hinter ihrer beruflichen Zukunft in dieser Richtung steht aber noch ein "vielleicht". Gewisse Zweifel, so gesteht das Mädchen, werden von der damit verbundenen Schichtarbeit genährt.

Junge Menschen zeigen Helfersyndrom

Ihr ein Jahr jünger Klassenkamerad Cedrik Güttner scheint mit dem schon erwähnten Helfersyndrom infiziert worden zu sein. "Ich sehe das halt an meiner Oma, die auch in einem Pflegeheim ist und Hilfe benötigt. Das ist doch schön, wenn man sich da engagieren kann." Natürlich sei ihm bewusst, dass der Pflegeberuf durch schlechte Bezahlung trotz hoher Belastung nicht den besten Ruf habe. "Man sollte vielleicht nicht zuerst darauf achten, dann ist der Pflegeberuf völlig in Ordnung", stellte der Junge seine Ideale vorn an. Denn: "Auch wenn die alten Menschen auf Hilfe angewiesen sind, haben sie ihre volle Daseinsberechtigung."



Lilly und Reneé Mercedes Ziegler (v.r.) gehören zu den Lossataler Oberschülern, die sich im Seniorenheim Kleegasse mit Heimbewohnern zum Spielenachmittag verabredet haben. Quelle: Frank Schmidt

Wertschätzung für die Senioren

Über so eine Einstellung kann sich Ines Ficht, Ergotherapeutin im Seniorenheim, nur freuen. Denn sie machte keinen Hehl daraus, dass diese Schülerprojekte in doppelter Hinsicht nützlich sind. "Zum einen können sich die Jugendlichen hautnah informieren, was den Beruf eines Altenpflegers ausmacht und welche Bedeutung die Betreuung von Senioren hat", macht sie Werbung in eigener Sache. Zum anderen profitieren die Senioren selbst. "Im Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen wird die Kommunikation zwischen den Generationen angeregt und die Bewohner erfahren dadurch eine gewisse Wertschätzung und Aufmerksamkeit", freute sich Ficht. Und dafür biete ein ungezwungenes Brett- oder Würfelspiel beispielsweise den besten Rahmen.

Kommentar von Frank Schmidt

Welch ein Segen für jene rüstigen Senioren, die sich bis ins hohe Alter zu Hause weitgehend selbst betun können. Was für ein Glück für Menschen, die dank mobiler Pflegedienste in ihren eigenen vier Wänden immer noch gut zurechtkommen.

Viele Senioren aber verbringen den Lebensabend in Alten- und Pflegeheimen. Dort werden sie zwar rund um die Uhr behütet und betreut. Und das technische, soziale und medizinische Pflegepersonal sorgt für den Rundumschutz der älteren Generation. Doch ein Sorglospaket kann es ihnen nicht schnüren.

Jeder weiß um die großen Probleme in der Altenpflege. Schlechte Bezahlung, Personalmangel, großer Arbeitsdruck und nicht zuletzt die Belastungen durch Bürokratie bringen den Pflegeberuf in Verruf.

Und trotzdem scheint es um den Nachwuchs gar nicht so schlecht bestellt zu sein. Zumindest geht das von Lossataler Oberschülern als hoffnungsvolles Signal aus. Dank guter Kontakte in ein Wurzener Seniorenheim treffen sich deren Schüler regelmäßig mit den alten Herrschaften zum gemeinsamen Kochen und Backen oder für Bastel- und Spielenachmittage. Und genau das fördert sowohl die Akzeptanz als auch die Bereitschaft, sich zumindest mit dem Gedanken zu beschäftigen, später mal in dieser Branche Fuß zu fassen. Sollten sich die jungen Menschen beruflich doch anders orientieren, haben sie den Senioren wenigstens die Gewissheit gegeben, dass sie nicht vergessen sind.

Wenn dieses Projekt Schule macht, sollte das uns alle optimistisch stimmen.

Von Frank Schmidt
Leipziger Volkszeitung Ausgabe Muldental 03.02.2019

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